Die Oxford-Durham Studie

Quelle: Alexandra J. Richardson, DPhil, Paul Montgomery, DPhil, 2005. The Oxford-Durham Study: A Randomized, Controlled Trial of Dietary Supplementation With Fatty Acids in Children With Developmental Coordination Disorder. Journal of Nutrition, PEDIATRICS Vol. 115 No. 5 May 2005. Englische Originalstudie.

Hinweis: bei dieser Studie wurde nicht Krillöl verwendet, sondern ein anderes Mittel mit hohem EPA-Anteil wie er auch in Krillöl zu finden ist.

Zusammenfassung

Die sogenannte "Oxford-Durham-Studie" wurde an 12 Grundschulen im englischen Distrikt Durham durchgeführt. Sie hatte eine Dauer von 6 Monaten und wurde als sogenannte Doppelblindstudie ausgeführt. Beteiligt waren 117 Kinder mit entwicklungsbezogenen Koordinationsstörungen im Alter von 5-12 Jahren. Getestet wurde mit einem Nahrungsergänzungsmittel welches einen hohem EPA-Gehalt aufweist (wie z.B. NKO-Krillöl). Die Resultate waren wie folgt:

  • es ergaben sich deutliche Verbesserungen beim Lesen: es wurde im Vergleich zur Kontrollgruppe innert 6 Monaten ein Zeitgewinn von über 14 Monaten festgestellt! Definition Zeitgewinn: Verringerung des Abstands des gemessenen "Wissensalter" zum "echten natürlichen Alter".
  • Bei der Schreibfertigkeit wurde im Verlauf der Dauer der Studie ein Gewinn von fast 6 Monaten festgestellt.
  • Die Rechtschreibung konnte um eine Entwicklungsstufe von 6 Monaten gesteigert werden.

Hintergründe

DCD betrifft 5% der Kinder im Schulalter. Zusätzlich zu den vorwiegend auftretenden motorischen Störungen werden auch Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen und psychosoziale Mängel, welche auch im Erwachsenenalter bestehen bleiben, mit DCD in Verbindung gebracht. Zunehmende Indizien lassen vermuten, dass ein relativer Mangel an spezifischen ungesättigten Fettsäuren mitschuldig sein kann an verschiedenen nervlichen und psychischen Störungen, wie zum Beispiel Legasthenie und der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Aufgrund des Mangels an wirkungsvollen Behandlungsmöglichkeiten für DCD sollte der Gebrauch von Fettsäuren vermehrt erforscht werden.

Methoden

Ein kontrollierter Versuch mit der Zugabe von -3 und -6 Fettsäuren, verglichen mit Placebo, wurde mit einer Gruppe von 117 Kindern mit DCD (5-12 Jahre alt) durchgeführt. Die dreimonatige Behandlung in parallelen Gruppen wurde von einem Wechsel von Placebo zu aktiver Behandlung, welche ebenfalls 3 Monate dauerte, abgelöst.

Resultate

Es wurde keine Veränderung der motorischen Fähigkeiten beobachtet, aber ein signifikanter Unterschied zwischen aktiver Bahndlung und Placebo bei Lesen, Sprechen und Verhalten wurde festgestellt. Nach dem Wechsel wurden ähnliche Effekte bei der Placebogruppe beobachtet, währen die aktive behandelten Kinder weitere Fortschritte verzeichneten.

Schlussfolgerung

Der Zusatz von Fettsäuren kann eine sichere und effektive Behandlungsmöglichkeit für die Erziehungs- und Verhaltensprobleme bei Kindern mit DCD sein. Zusätzliche Arbeit muss geleistet werden, um unser Unvermögen eine Änderung bei den motorischen Fähigkeiten festzustellen, tatsächlich so ist oder es doch möglich ist, auch diese zu verbessern.

Nicht-technische Zusammenfassung, Hintergrund

Dyspraxie (DCD) betrifft ungefähr 5% der schulpflichtigen Kinder. Kinder mit Dyspraxie zeigen spezifische Schwierigkeiten bei der Koordination von Bewegungen, aber sie haben auch sehr oft zusätzlich Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen und soziale und psychische Probleme. Dyspraxie bleibt meist auch im Erwachsenenalter bestehen und die damit verbundenen Schwierigkeiten bedeuten erhebliche Kosten für die Betroffenen und deren Familien, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes.
Verschiedene Indizien lassen darauf schliessen, dass die Ernährung bei Dyspraxie eine Rolle spielt. Vor allem ein Mangel an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (vorwiegend die Omega-3 Fettsäure) könnten die Schwierigkeiten auslösen. Diese Fettsäuren sind für die Entwicklung und die Funktion des Gehirns von entscheidender Bedeutung. Behandlungsstuiden haben bereits gezeigt, dass ein Nahrungszusatz von Omega-3 Fettsäuren sich positiv auf verwandte Störungen wie Legasthenie und ADHS auswirkt.
Wenige der heute bekannten Behandlungsmethoden für Dyspraxie sind durch Forschungen erhärtet worden, deshalb ist es sicher wertvoll, dass der Einfluss der Fettsäuren näher untersucht wird.

Methoden

Angewendet wurde eine Doppelblindstudie mit Placeo-Kontrolle, die einzige Art, welche zweifelsfreie Erkenntnisse bringt.

117 Kinder mit Dyspraxie (DCD), alle zwischen 5 und 12 Jahre alt, bekamen drei Moante lang ein Nahrungsergänzungsmittel. Die Hälfte davon bekam ein Mittel, welches aus 80% Fischöl und 20% Nachtkerzenöl enthielt (reich an Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren). Die andere Hälfte bekam ein identisch aussehendes Placebo-Mittel, welches Olivenöl enthielt und bei dem keinerlei Effekte zu erwarten waren. Jedes Kind hatte die gleiche Chance eine aktive Behandlung mit Fettsäuren zu erhalten, und bis zur Beendigung der ganzen Studie wusste keiner der beteiligten Personen welches Kind eine aktive Behandlung erhalten hatte.

Die Studie wurde mit einer dreimonatigen Zusatzperiode versehen, bei der die Kinder, welche bisher das Placebo-Mittel erhalten hatten, nun auch eine aktive Behandlung erhielten. Obwohl dieser Teil der Studie irrevelant für die statistische Analyse war, konnten zusätzliche Informationen daraus gewonnen werden sowohl für die abgeschlossenen Studie wie auch für weitere in Planung befindliche Studien.
Während der ersten dreimonatigen Phase wurde der Fortschritt der Kinder mit aktiver Behandlung mit denen der Placebo-Gruppe verglichen, um ausfindig zu machen ob die Behandlung einen Effekt erzielt. Weil Kinder mit Dyspraxie meist ähnliche Symptome aufzeigen wie solche mit Legasthenie ode ADHS wurden standardisierte Tests verwendet. Vor Beginn, nach drei Monaten und anch 6 Monaten wurden die Kinder sowohl auf ihre motorischen Fähigkeiten wie auch auf ihre Lese- udn Redefähigkeiten getestet und die Lehrer gaben ein Urteil ab betreffend Betragen und Lernschwierigkeiten.

Resultate

Nach drei Monaten Behandlung konnten keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen betreffend der motorischen Fähigkeiten festgestellt werden. Aber, die Kinder, welche Fettäsuren erhalten hatten, zeigten signifikant bessere Fortschritte sowohl im Lesen wie Sprechen als die Placebo-Gruppe. Gemäss Lehrerurteil waren auch die mit ADHS in Verbindung gebrachten Verhaltensstörungen bei den Kindern mit aktiver Behandlung deutlich besser.
Die zweite dreimonatige Periode zeigte, dass nun auch die Kinder, welche vorher Placebo erhielten bessere Fortschritte machten, während die anderen sich weiterhin verbesserten.

Ergebnisse

Das ist die bisher grösste Studie über den Einfluss von Fettsäuren bei Kindern mit spezifischen Lernschwierigkeiten. Die Resultate zeigen, dass Fettsäuren eine sichere und effiziente Behandlungsmöglichkeit für Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen bei Kindern mit Dyspraxie sein können.
Es wurden jedoch keine Vorteile gefunden für das grösste Problem bei Dyspraxie, die motorischen Fähigkeiten. Zusätzliche Studien sind hier nötig, da bei beiden Gruppen eine Verbesserung der motorischen Fähigkeiten eintraf, um den Placebo-Effekt zu eliminieren.
Weitere Arbeit ist auch nötig, um die Dauerhaftigkeit der Behandlung zu erforschen, und die Frage abzuklären, ob die Ergebnisse auch für andere Altersgruppen zutreffen.

Abstract (english)

Background. Developmental coordination disorder (DCD) affects 5% of school-aged children. In addition to the core deficits in motor function, this condition is associated commonly with difficulties in learning, behavior, and psychosocial adjustment that persist into adulthood. Mounting evidence suggests that a relative lack of certain polyunsaturated fatty acids may contribute to related neurodevelopmental and psychiatric disorders such as dyslexia and attention-deficit/hyperactivity disorder. Given the current lack of effective, evidence-based treatment options for DCD, the use of fatty acid supplements merits investigation.

Methods. A randomized, controlled trial of dietary supplementation with -3 and -6 fatty acids, compared with placebo, was conducted with 117 children with DCD (5–12 years of age). Treatment for 3 months in parallel groups was followed by a 1-way crossover from placebo to active treatment for an additional 3 months.

Results. No effect of treatment on motor skills was apparent, but significant improvements for active treatment versus placebo were found in reading, spelling, and behavior over 3 months of treatment in parallel groups. After the crossover, similar changes were seen in the placebo-active group, whereas children continuing with active treatment maintained or improved their progress.

Conclusions. Fatty acid supplementation may offer a safe efficacious treatment option for educational and behavioral problems among children with DCD. Additional work is needed to investigate whether our inability to detect any improvement in motor skills reflects the measures used and to assess the durability of treatment effects on behavior and academic progress.

Die komplette Studie auf Englisch finden Sie hier zum lesen. Weitere Studien finden Sie auf dieser Seite.